China Import & Zertifikate für Amazon FBA – Risiko minimieren ohne hohe Kosten?

Regelmäßig stellen Amazon FBA Seller Fragen wie „Welche Zertifikate benötige ich für mein Produkt noch?“ oder „Der Hersteller hat alte Prüfberichte, kann ich diese verwenden“ – doch hierauf gibt es keine Pauschalantwort!

Warum nicht? Dies möchten wir Ihnen in diesem Beitrag anhand einer kurzen Zusammenfassung mit Beispielen erklären.

Risiko gibt es immer!

Im Bereich „Compliance“ (also Konformität mit den Richtlinien/Verordnungen) gibt es in der Praxis kaum einen Zustand, in dem das Risiko 0% beträgt.

Beispiel:

Von 10.000 bestellten Produkten werden 10 Stück stichprobenartig entnommen und im Prüflabor getestet.

Drei Beispielfaktoren, die hier maßgeblich das Risiko und die Kosten beeinflussen:

  1. Die restlichen Produkte unterliegen Qualitätsschwankungen. => Das Risiko könnte also nur mit Entnahme von noch mehr Produkten reduziert werden => höhere Kosten
  2. Es werden nur die wichtigsten Richtlinien geprüft, tatsächlich werden jedoch Grenzwerte von anderen Substanzen noch immer überschritten. => Das Risiko könnte weiter reduziert werden, indem noch mehr Substanzen geprüft werden. => höhere Kosten
  3. Bei der Nachbestellung verwendet der Hersteller eine minimal abweichende Farbe. Theoretisch müsste damit jeweils wieder alles neu geprüft werden! => Ohnehin könnte daher bei jeder Nachbestellung neu geprüft werden. => höhere Kosten

Die oben genannten Beispiele sind nur drei von vielen Faktoren, die Risiken im Compliance Bereich bergen, welche mit höheren Kosten reduziert werden können.

Für die meisten kleinen Importeure kommen jedoch ohnehin nur kleinere Bestellungen in Frage, daher sind die Kosten für Tests anteilig an der Marge wesentlich höher. Es sollte hier also nicht das Ziel sein, das Risiko komplett zu eliminieren, sondern mit minimalem Aufwand und minimalen Kosten zu minimieren!

Genau darum geht’s beim Thema Risikoanalyse, Risikobewertung, Risikoabwägung.

Welche zwei Faktoren werden für eine Risikoabwägung benötigt?

  1. Das Worst-Case-Szenario (Kosten)
  2. Die Kosten zur Risikoreduzierung

Auch hier hilft wieder ein Beispiel:

Das Worst-Case-Szenario: Bei einem Produkt, das bei einer behördlichen Kontrolle durchgefallen ist, keine ausreichende Kennzeichnung aufweist und Grenzwerte übersteigt (z.B. giftige und gesundheitsgefährdende Stoffe bei einem Produkt mit Lebensmittelkontakt) – hier drohen je nach bereits verkaufter Stückzahl Bußgelder von bis zu 50.000€ pro Produkt und ein behördlich angeordneter Rückruf. Die Kosten für einen Rückruf können dazu schnell im 6-stelligen Bereich liegen.

Nehmen wir also an: 100.000€ Risiko

Die Kosten zur Risikoreduzierung:

  1. Anfertigung von Prüfberichten ca. 200-2000€ (je nach Anzahl der geprüften Stoffe)
  2. Erstellung aller Dokumente inkl. Technical File und Kennzeichnungen: ca. 200€

Hier stehen also 400-2400€ im Raum, die zur Reduzierung des Risikos von 100.000€ genutzt werden.

Tiefer im Detail kann dann zusätzlich abgewogen werden, wie hoch das Risiko des Produktes tatsächlich ist und dementsprechend auch entschieden werden, wie häufig und wie intensiv geprüft werden soll.

Das tatsächliche Risiko ist dabei abhängig von Produktart und vor allem von Verwendungszweck. Produkte, die als Spielzeug verwendet werden, oder z.B. elektrische Produkte wie Herdplatten bergen ein höheres Gefahrenpotential als ein Seifenspender.

Ähnlich wie bei der Wahl einer Versicherung, liegt es also in der Verantwortung des Herstellers bzw. Importeurs, selbst zu entscheiden und abzuschätzen wie hoch die Risiken sind und wie hoch das Investment in die Risikoreduzierung ausfallen soll.

Die Wahl der Tests gleicht hier also der Wahl einer Versicherung.

Fazit zur Risikoabwägung  beim Import:

In jedem Fall sollten die Tests und Maßnahmen umgesetzt werden, die den Nachweis über die Einhaltung der Sorgfaltspflicht unterstützen! Dazu gehören vor allem: Herstelleranschrift (Anschrift auf der Verpackung gem. ProdSG §6 sowie produktkategoriespezifische Kennzeichnungen sowie Prüfberichte, welche zumindest die riskantesten Substanzen abdecken.

Daher sind immer die Erstellung eigener, aktueller und ordentlicher Prüfberichte (z.B. bei QIMA) sowie die Erstellung der Konformitätserklärung empfehlenswert.

In diesem Beitrag sehen Sie, wie Sie z.B. mit QIMA*  Prüfberichte für einen Bedarfsgegenstand mit Lebensmittelkontakt nach LFGB anfertigen lassen können.

Hoffentlich hat dieser Beitrag dabei geholfen zu verstehen, dass es keinen „abgeschlossenen Zustand“ gibt – und somit auch keine pauschale Antwort auf die Frage, welche Dokumente Sie verwenden können. Alte Dokumente vom Hersteller bergen z.B. ein höheres Risiko – ob Sie dieses eingehen möchten hängt unter anderem vom Gefahrenpotential Ihres Produktes ab.

2 thoughts on “China Import & Zertifikate für Amazon FBA – Risiko minimieren ohne hohe Kosten?

  1. Marvin says:

    Entschuldige bitte, meine letzte Frage hätte ich mir auch selber beantworten können haha.
    Ich habe eine Anfrage bei Produt.ip gemacht. Allerdings ist es mir nicht ersichtlich welche Zertifikate bzw. Test WIRKLICH wichtig sind.

    ich danke dir schon mal im Vorraus. Cool das du den Leuten hilfst.

  2. Johanna says:

    Hallo Tobias,
    ich habe eine dringende Frage zu den „Zertifikaten“.
    Ich werde diese Woche mein erstes Muster vom Hersteller bekommen, schauen ob es mir gefällt und wenn dem so ist, möchte ich mich um das Zertifikat kümmern.

    1. ab wann kümmert man sich um das Zertifikat? Schon gleich nach der ersten Musterprüfung oder muss ich darauf warten, dass die Produktion meiner eigenen Bestellung startet und daraus Muster vom Hersteller an AsiaInspection verschicken lassen?

    2. Wie oft muss ein neues Zertifikat gemacht werden? Mit jeder Produktion? 1x im Jahr? Nur ein einziges?

    Vielen Dank im Voraus und liebe Grüße
    Johanna

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