Finde die richtige Rechtsform für dein Amazon Business!

Welche Rechtsform ist die richtige für Amazon FBA Verkäufer? Einzelunternehmen, UG, GmbH?

Spätestens, wenn du bei Amazon einen Account als Verkäufer eröffnest, musst du dir die Frage stellen, welche Rechtsform zu deinem Unternehmen passt.

Damit du bereits hier die richtige Wahl triffst (Diese Entscheidung sollte wohlüberlegt sein, da die Prüfung einer Umfirmierung bei Amazon ewig dauern kann und deine Angebote in der Zwischenzeit offline gehen) geben wir dir hier eine Übersicht über die im Amazon FBA Handel gängigen Rechtsformen und nennen dir ihre wesentlichen Vor- und Nachteile.

1. Einzelunternehmen

Die wohl einfachste Form stellt ein sog. „Einzelunternehmen“ dar. Ein Einzelunternehmen ist eine Wirtschaftseinheit, die ohne große finanzielle Rücklagen von einer einzelnen Person gegründet werden kann. Um Einzelunternehmer zu werden musst du lediglich ein Gewerbe anmelden.

Diese günstige und formlose Gründung ist ein großer Vorteil des Einzelunternehmens.
Nicht nur die Gründung ist unkompliziert, sondern auch die Buchhaltung. Da du nicht bilanzieren musst und eine Gewinn- und Verlustrechnung bereits ausreichend ist, ist diese recht überschaubar.
Darüber hinaus ist kein Mindestkapital erforderlich, um als Einzelunternehmer loslegen zu können. Dies kann besonders dann, wenn du schnell Geld verdienen möchtest, interessant für dich sein.
Zudem ergibt sich für dich als Neueinsteiger eventuell der Vorteil, dass du keine Gewerbesteuer zahlen musst. Solange du den jährlichen Freibetrag von 24.500 € Gewinn nicht überschreitest, entfällt diese nämlich.

Ab einem jährlichen Gewinn von ca. 60.000 Euro sind die Steuerbelastungen im Vergleich zu anderen Rechtsformen allerdings unverhältnismäßig hoch.
Der größte Nachteil bei einem Einzelunternehmen ist der riesige Haftungsrahmen: Der Inhaber eines Einzelunternehmens haftet mit seinem gesamten Privatvermögen. Es findet keinerlei Unterscheidung zwischen Privat- und Betriebsvermögen statt. Dies hat zur Folge, dass eine schlechte finanzielle bzw. unternehmerische Entscheidung gleichzeitig dazu führen kann, dass du Privatinsolvenz anmelden musst. Auch wenn der Inhaber eines Einzelunternehmens aufgrund dieser Tatsache im Rechtsverkehr sehr hohes Ansehen genießt, solltest du das Haftungsrisiko wirklich nicht unterschätzen.

2. GmbH und UG

Aus diesem Grund lohnt sich ein Blick auf Rechtsformen mit einer beschränkten Haftung. Die wohl bekannteste ist die „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ (GmbH). Ihre Gründung erfolgt mittels eines Gesellschaftsvertrages, der beim Notar zu unterzeichnen ist.

Du leistest hier ein Stammkapital von mindestens 25.000 €, siehe https://www.gesetze-im-internet.de/gmbhg/__5.html. Dies ist zwar ein ganzer Batzen Geld, allerdings kannst du darauf nach der Eintragung vollständig zurückgreifen und es für Betriebszwecke, wie beispielsweise den Erwerb von Betriebs- und Geschäftsausstattung, einsetzen.
Zudem ist deine Haftung dann auf dieses Stammkapital begrenzt. Somit bleibt dein Privatvermögen wenn es hart auf hart kommt unangetastet.

Wenn du nicht sofort eine Einlage von 25.000 € leisten möchtest und wenn du darüber hinaus alleiniger Gesellschafter der GmbH bist, besteht auch die Möglichkeit der Gründung einer sog. „Ein-Mann-GmbH“. Dabei kannst du schon mit einer Einlage in Höhe von 12.500 € starten. Erst, wenn ein Haftungsfall eintritt, musst du die restlichen 12.500 € leisten.

Seit 2008 gibt es außerdem die existenzgründerfreundlichen Variante der GmbH, die sog. „Unternehmergesellschaft (haftungsbeschränkt)“, kurz UG (haftungsbeschränkt). Sie unterscheidet sich von der normalen GmbH vor allem dadurch, dass sie bereits ab einem Stammkapital von 1 € gegründet werden kann. Allerdings müssen bei der UG mindestens 25 % des Jahresüberschusses in die Rücklage eingelegt werden, damit sich das Stammkapital regelmäßig erhöht und die UG zu einer vollwertigen GmbH werden kann. Zur gesetzlichen Regelung der UG: https://www.gesetze-im-internet.de/gmbhg/__5a.html
Wichtig ist es außerdem zu wissen, dass aufgrund des geringeren Stammkapitals und der daraus resultierenden geringeren Sicherheitslage für Vertragspartner das Ansehen der UG im Zusammenhang mit der Bonitätsbeurteilung wesentlich geringer ist, als das sämtlicher anderer Rechtsformen.

Sowohl GmbH, als auch UG haben im Gegensatz zu einem Einzelunternehmen einen erheblichen buchhalterischen Mehraufwand zur Folge, da du verpflichtet bist zu bilanzieren und doppelt Buchhaltung zu führen. Außerdem fallen neben der Leistung des Stammkapitals noch weitere Gründungskosten an, beispielsweise durch Inanspruchnahme eines Notars für den Gesellschaftsvertrag.
Außerdem musst du beachten, dass die beschränkte Haftung auch ihre Grenzen hat. Es gibt Fälle, in denen ein Durchgriff auf den Geschäftsführer bzw. Gesellschafter der GmbH oder UG stattfindet, wodurch dieser auch mit seinem Privatvermögen haftbar gemacht werden kann. Denkbar ist dies beispielsweise, wenn sog. „existenzvernichtende Eingriffe“ in die Gesellschaft Ursache für eine Insolvenz sind oder auch bei rechtswidrigem Verhalten wie z.B. Urheberrechtsverletzungen.

3. Ltd.

Durch die Einführung der UG wurde die aus dem britischen Gesellschaftsrecht stammende „Limited Company“ (Ltd.) weitestgehend verdrängt. Bei der Ltd. handelt es sich ebenfalls um eine Kapitalgesellschaft, deren Grundkapital in Anteile zerlegt ist. Die Haftung der Anteilshaber ist auf dieses Kapital beschränkt.
Eine Gründung ist ebenfalls bereits ab einer Minimaleinlage in vielen Ländern, die zum Commonwealth oder zu ehemaligen englischen Kolonien gehören, möglich.
Auch wenn die Ltd. auf internationaler Ebene ein höheres Ansehen als die UG genießt, bringt sie auch organisatorische Probleme mit sich.
Zum einen wird die Unternehmensführung immens dadurch verkompliziert, dass im Innenverhältnis das Recht des jeweiligen Landes und im Außenverhältnis deutsches Recht gilt.
Du bist zudem verpflichtet, verschiedene Reports an das Land, in dem du die Ltd. angemeldet hast, abzugeben.
Außerdem bist du verpflichtet, vor Ort einen einen sog. „Registered Office“ vorzuhalten.

4. Fazit

Deine Entscheidung sollte auf diejenige Rechtsform fallen, die das für dich wichtigste Kriterium am meisten berücksichtigt.
Als Einstieg ist ein Einzelunternehmen bestimmt eine gute Wahl. Auf lange Sicht können wir dir nur empfehlen, den Schutz deines Privatvermögens als oberste Priorität zu sehen, sonst kann deine berufliche Selbstständigkeit schnell existenzvernichtende Folgen haben.
Ab wann jedoch eine Kapitalgesellschaft für dich rentabel ist, musst du dir in deinem Einzelfall ausrechnen oder mit einem Steuerberater besprechen. Für die Wahl der geeigneten Kapitalgesellschaft ist dann natürlich maßgeblich, wie viel Kapital du zur Verfügung hast.