Textilkennzeichnung: Was musst du als (Amazon FBA) Händler bzw. Hersteller beim Import und Verkauf von Textilien beachten?

Textilkennzeichnung Amazon FBA

Hinweis vorab: In diesem Beitrag geht es lediglich um die richtige KENNZEICHNUNG von Textilien. Zusätzlich müssen deine (importierten) Textilien/Textilprodukte noch andere Richtlinien/Verordnungen erfüllen, um auf dem deutschen Markt angeboten werden zu dürfen.

Allen voran ist unbedingt die REACH Verordnung zu beachten.

Lies dir also im Anschluss an diesen Artikel unbedingt noch den Leitfaden zur Umsetzung der REACH Verordnung durch (mit Video)

Textilkennzeichnung: Was musst du als (Amazon FBA) Händler bzw. Hersteller beim Import und Verkauf von Textilien beachten?

Wer z.B. als Private Label Amazon FBA Seller Textilerzeugnisse herstellen lässt (nicht: selber näht) oder aus einem Nicht-EU-Land Textilerzeugnisse importiert, ist nach den Vorgaben der Textilkennzeichnungsverordnung (TextilKVO) und des deutschen Textilkennzeichnungsgesetzes (TextilKennzG) verpflichtet, Textilerzeugnisse entsprechend zu bezeichnen und zu kennzeichnen. Aber auch Händler sollten vor dem Verkauf kontrollieren, ob die Kennzeichnung korrekt vorgenommen wurde.

Wenn du vor hast, Textilerzeugnisse zu verkaufen, solltest du dich also unbedingt im Vornherein ausgiebig mit der Thematik auseinandersetzen und genau wissen, welche rechtlichen Vorgaben du einhalten musst. Denn anderenfalls drohen dir unter Umständen hohe Bußgelder oder Abmahnungen deiner Mitbewerber. Damit es gar nicht erst so weit kommen kann geben wir dir eine einfache Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Hand, die dir als erste Orientierungshilfe dienen kann, bevor du loslegst.

Schritt 1: Prüfe, ob dein Produkt ein Textilerzeugnis ist

Das deutsche Textilkennzeichnungsesetz (TextilKennzG) mit seinen Vorgaben ist nur für so genannte „Textilerzeugnisse“ relevant. Als ersten Schritt musst du also prüfen, ob dein Produkt überhaupt ein Textilerzeugnis ist. Dies ist der Fall, wenn
dein Produkt zu 100% aus Textilfasern besteht oder
mindestens 80% des Gewichtes deines Produktes aus Textilfasern bestehen (z.B. Kleidung mit Knöpfen aus Metall)

Schritt 2: Stelle sicher, dass dein Produkt nicht von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen ist

Handelt es sich bei deinem Produkt um ein Textilerzeugnis, musst du als nächsten Schritt prüfen, ob bei deinem Produkt nicht ausnahmsweise keine Kennzeichnung notwendig ist. Im Anhang V der TextilKVO findest du eine Liste mit denjenigen Textilerzeugnissen, für die keine Etikettierung oder Kennzeichnung vorgeschrieben ist. Beispiele sind unter anderem:

1. Taschen und Rucksäcke
2. Spielzeug
3. textile Teile von Schuhwaren

Siehe die volle Liste hier: Anhang V der TextilKVO
Ist dein Produkt hier nicht aufgelistet? Dann gehe über zum nächsten Schritt.

Schritt 3: Vergewissere dich, welche Bestandteile deines Produktes zu kennzeichnen sind

Verschaffe dir als nächstes einen Überblick darüber, welche Bestandteile deines Produktes überhaupt zu kennzeichnen sind. Die in Anhang VII der TextilKVO genannten Bestandteile sind bei der Bestimmung der Faserzusammensetzung nicht zu berücksichtigen und werden vom Gesamtgewicht des Produktes abgezogen. Du musst nur für diejenigen Gewichtsanteile derjenigen Fasern Angaben machen, die nach dem Abzug übrig bleiben. Beispiele sind hier
Bei Socken ist u.a. der Verstärkungsgarn an Zehen und Ferse ausgenommen
Bei Vorhängen sind u.a. Binde- und Füllketten ausgenommen usw.

Schritt 4: Kennzeichne dein Produkt richtig

Wenn du genau weißt, welche Teile deines Produktes überhaupt zu kennzeichnen sind, kommen wir endlich zum nächsten Schritt: Die richtige Kennzeichnung.

Bezeichnungen

Dabei musst du zunächst beachten, dass du die verarbeiteten Textilfasern nicht einfach willkürlich benennen darfst. In Anhang I der TextilKVO findest du eine Liste mit denjenigen Bezeichnungen, die für die Kennzeichnung zulässig sind (also z.B. „Wolle“, „Lyocell“…) inklusive einer Beschreibung der Fasern. Suche dir also aus der Liste diejenigen Bezeichnungen heraus, die für dein Produkt zutreffend sind.

Form und Sprache

Darüber hinaus muss die Etikettierung und Kennzeichnung dauerhaft, leicht lesbar, sichtbar und zugänglich und – im Falle eines Etiketts – fest angebracht sein. Dafür sollte für die Angaben ein einheitliches Schriftbild gewählt werden. Als Sprache für die Angaben wählst du die jeweilige Sprache des Landes, in dem du die Ware verkaufen möchtest, also wenn du das Produkt in Deutschland verkaufen möchtest, musst du die Angaben auf deutsch machen, in Frankreich auf französisch usw.

Beispiele

Im Folgenden werden zum besseren Verständnis einige Beispiele aufgezählt.

Reine Textilerzeugnisse

Wenn dein Produkt lediglich aus einer Textilfaser besteht oder maximal einen Gewichtsanteil von 2% enthält, darfst du die Angabe „100 % …“ oder „rein …“ oder „ganz…“ machen.

Beispiel: Reine Baumwolle

Aus mehreren Textilfasern bestehende Textilerzeugnisse
Besteht dein Produkt aus mehreren verschiedenen textilen Fasern, dann musst du die Gewichtsanteile aller im Erzeugnis enthaltenen Textilfasern in absteigender Reihenfolge ihrer Gewichtsanteile angeben.

Beispiel: 60% Baumwolle, 25% Polyester, 15 % Viskose

Aus mehreren Komponenten bestehende Textilerzeugnisse
Besteht dein Produkt aus verschiedenen einzelnen Komponenten, die jeweils wieder eine unterschiedliche Faserzusammensetzung haben, musst du die Kennzeichnung für jede Komponente einzeln angeben.

Beispiel (T-Shirt): Material Oberstoff: 100% Polyester, Material Oberstoff oberer Teil: 100% Polyamid

Es gibt hier allerdings zwei Ausnahmen:
Zu Textilkomponenten, die weniger als 30 % des Gesamtgewichts des ganzen Textilerzeugnisses ausmachen und die nicht Hauptfutterstoffe sind, müssen keine Angaben gemacht werden
Bei Textilerzeugnissen, die „zusammen gehören“, muss nur einmal eine Angabe gemacht werden, sofern beide Teile aus demselben Material bestehen (Beispiel: Hosenanzug)

Nicht textile Teile tierischen Ursprungs
Zuletzt gibt es Textilerzeugnisse, bei denen nichttextile Teile tierischen Ursprungs enthalten sind.

Beispiel: Lederlabel an einer Jeans

In diesem Fall muss zwingend der Hinweis „Enthält nichttextile Teile tierischen Ursprungs“ in unabgewandelter Form angegeben werden.

Wichtige Fragen:

Muss die Textilkennzeichnung auch im Amazon Listing oder Online-Shop angegeben werden oder nur an dem Textilerzeugnis selber

Die Textilkennzeichnung muss auch im Listing oder Online-Shop angegeben werden. Denn der Kunde soll die Möglichkeit haben die Informationen bereits vor dem Kauf zur Kenntnis zu nehmen können. Weil er das Label nicht selber sehen kann sollen die Angaben demnach in die Artikelbeschreibung aufgenommen werden.

Muss die Pflegekennzeichnung angegeben werden? Brauche ich eine Herkunftsbezeichnung?

Die Pflegekennzeichnung, also Informationen über die sachgerechte Pflege und Behandlung von Textilien, ist in Deutschland keine Pflichtangabe. Du kannst diese Angaben aber freiwillig machen. Orientiere dich dann bestenfalls an den Richtlinien von GINETEX .
Auch der Hinweis „Made in …“ ist nicht vorgeschrieben. Auch diese Angabe ist freiwillig und sollte, wenn sie angegeben wird, der Wahrheit entsprechen.

Wie immer ist diese Schritt-für-Schritt-Anleitung lediglich eine Orientierungshilfe für dich, die weder einen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, noch eine Rechtsberatung im Einzelfall ersetzen kann.

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