Reach Verordnung

Leitfaden – Einhaltung der REACH Verordnung für [Amazon FBA] Importeure

REACH Verordnung für [Amazon FBA] Importeure

Wenn du das Glück hast, dass dein Produkt weder von den Richtlinien für Bedarfsgegenstände mit Lebensmittelkontakt, den Richtlinien für elektrische/elektronische Geräte, der Spielzeugrichtlinie oder ähnlichen Verordnungen reguliert wird, so musst du dich am Ende immer noch vergewissern, dass die von dir importierten Produkte “sicher” sind und auf dem EU-Markt bereitgestellt werden dürfen.

Denn mittlerweile wird immer strenger geprüft, ob Waren aus nicht-EU-Ländern, egal welcher Art, umweltschädliche oder gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten.

Grundlage dafür ist eine Verordnung, welche den Anteil an diesen Stoffen (für alle Warenarten) reguliert: Die „REACH“ (Registration, Evaluation, Authorisation and Restriction of Chemicals) – Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe.

Sie verpflichtet Hersteller und Importeure unter gewissen Voraussetzungen die verwendeten Stoffe bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) melden oder sogar registrieren zu lassen.
Achtung: Die Nichteinhaltung der Verordnung stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 € sanktioniert werden kann.

Die REACH-Verordnung ist recht komplex und obwohl du sie nicht komplett kennen musst, solltest du dich mit diesem Thema befassen, um ein Grundverständnis dafür zu entwickeln. Lies dir den Beitrag also sorgfältig durch.

Für einen umfassenden Einblick in die REACH Verordnung sowie für ein besseres Verständnis der Pflichten von Herstellern und Importeuren empfehlen wir die Broschüre im PDF: „Erzeugnisse – Anforderungen an Produzenten, Importeure und Händler“ – kostenlos zum Download bereitgestellt mit der Genehmigung von der BAUA (Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin).

Was regelt die REACH-Verordnung und wie kann ich sie schnell, einfach und ohne hohe Kosten umsetzen?

Mit fast 18.000 registrierungspflichtigen Stoffen umfasst die REACH-Verordnung fast alle Chemikalien, die in den Raum der EU importiert werden. Die Einordnung der Chemikalien erfolgt nach Maßgabe des Art. 57 der Verordnung, der krebserzeugende, erbgutverändernde, fortpflanzungsgefährdende, persistente, bioakkumulierbare oder toxische Stoffe einschließt.

Somit wird sie nicht nur für elektronische Geräte, sondern z.B. auch für Kunststoffe und die verwendeten Farben (in Taschen, Rucksäcken, Textilien, Aufdrucken und Verpackungen etc.) relevant. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Produkt unter diese Richtlinie fällt ist sehr hoch. Ihre Beachtung wird zukünftig noch strenger geprüft, vor allem bei Artikeln, die mit der Haut in Kontakt kommen, wie z.B. Textilien, Schmuck, Kosmetik und Kinderartikeln.

1. Registrierungspflicht

Durch die REACH-Verordnung entsteht unter gewissen Voraussetzungen eine Registrierungspflicht. Doch wann ist das der Fall?

Um diese Frage zu beantworten sollte zunächst eine Abgrenzung danach vorgenommen werden, ob ein sog. „Erzeugnis“ oder ein „Stoff“ i.S.d. Verordnung vorliegt.
Denn grundsätzlich unterliegen ALLE “Stoffe” der Registrierungspflicht. Bei “Erzeugnissen” trifft dies nur in bestimmten Fällen zu.

Was sind “Erzeugnisse” gem. REACH?

  • Nach Art. 3 Nr. 3 der REACH-Verordnung fallen darunter alle Gegenstände, deren äußere Form entscheidend für ihre Funktion ist und bei denen die chemische Zusammensetzung nur eine untergeordnete Rolle spielt (z.B eine Handyhülle).
  • Eine Registrierungspflicht für Erzeugnisse besteht gem. Art. 7 Abs. 1 der Verordnung nur, wenn ein Stoff (in einer gewissen Menge) freigesetzt/abgegeben werden soll (z.B ein Kugelschreiber, Sprühdose, Lackstift).

Beispiel: Bei der Herstellung einer Handyhülle nimmt das Material eine Oberfläche, Form oder Gestalt an, die in größerem Maße als die chemische Zusammensetzung seine Funktion bestimmt.

  • Die Abgrenzung kann in einigen Fällen etwas komplizierter werden. Ein feuchtes Reinigungstuch z.B. unterliegt nach herrschender Meinung der Registrierungspflicht, da es als Behälter zur Bereitstellung eines Stoffes eingeschätzt wird und dieser Stoff (das Reinigungsmittel) vom Reinigungsträger (dem Tuch) freigegeben wird.
  • Ein Kugelschreiber dient ferner dazu, die Farbe auf das Papier zu übertragen und enthält einen Füllstoff (die Farbe) in der Patrone. Daher gilt auch dieser als Behälter und somit als Stoff/Gemisch, welches der Registrierungspflicht unterliegt.

2. Informations- und Mitteilungspflichten

Widmen wir uns nun den Informations- und Mitteilungspflichten.

Diese entstehen bei Erzeugnissen wenn sog. „SVHC“, sprich Substances of Very High Concern (engl. für „besonders besorgniserregende Stoffe“) enthalten sind, wobei darüber hinaus auch die Menge entscheidend ist.

  • Erzeugnisse, die keine SVHC enthalten oder einen Gehalt von unter 0,1 % aufweisen, sind weder informations- noch meldepflichtig.
  • Erzeugnisse mit einem Gehalt von über 0,1 % SVHC unterliegen gem. Art. 33 der REACH-Verordnung der Informationspflicht gegenüber dem Verbraucher, wenn davon pro Jahr weniger als 1000 kg produziert/eingeführt werden.
  • Sobald diese 1000 kg-Grenze jedoch überschritten wird, unterliegen die Erzeugnisse gem. Art. 7 Abs. 2 der REACH-Verordnung zusätzlich der Mitteilungspflicht.
  • Ab einer Produktionsmenge von 10 Tonnen pro Jahr müssen Hersteller und Importeure dazu einen Sicherheitsbericht erstellen, der über die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt informiert.

Die Gutachten werden zur Registrierung bei der ECHA in Helsinki eingereicht. Stoffe, die für den Menschen oder die Umwelt besonders besorgniserregend sind, können möglicherweise einem Zulassungsverfahren unterliegen.

3. Zusammenfassung und wichtige Tipps zur Einhaltung

Was ist also für dich als Importeur wichtig?

  • Für die Beurteilung, ob ein Produkt registriert werden muss, ist entscheidend, ob es sich um ein Erzeugnis handelt.
  • Ob eine Informations- oder Mitteilungspflicht erforderlich wird, hängt von dem Gehalt der besorgniserregenden Stoffe sowie der jährlich importierten Menge (Gewicht) ab.
  • Zur Vermeidung von Informations- und Meldepflichten solltest du von einem Prüflabor testen lassen, ob dein Artikel den jeweiligen Grenzwert von besorgniserregenden Stoffen überschreitet. (Hinweis: Zu den SVHC gehören auch oft Weichmacher und Färbemittel, welche du oft bereits am chemischen Geruch feststellen kannst.)
  • Sofern eine Überschreitung der Grenzwerte gegeben ist solltest du nach unserer Empfehlung eine Änderung der verwendeten Rohstoffe mit deinem Hersteller besprechen oder den Artikel aus dem Sortiment nehmen.
  • Versuche bestenfalls mit deinem Hersteller schon vorher zu besprechen, dass er vermeiden soll Materialien zu verarbeiten, die den Test eventuell nicht bestehen würden. Nach deiner Anfrage beim Prüflabor, welche Tests durchgeführt werden müssen, erhältst du eine Liste der zu prüfenden Materialien. Lasse deinem Hersteller diese Liste am besten vor der Produktion zukommen.

Der Prüfbericht ist Teil deiner Import-Dokumente! Hebe ihn sorgfältig auf, da er auch noch in vielen Jahren bei einer behördlichen Überprüfung angefordert werden kann.
Eine Liste der aktuell 173 für eine Zulassung bei der ECHA in Frage kommenden SVHC Stoffe gibt es hier: https://echa.europa.eu/de/candidate-list-table

Bei Asian Inspection* kannst du Online anfragen, welche Tests für dein Produkt notwendig sind, um eine REACH-Konformität zu gewährleisten.
Dabei solltest du angeben, dass das Produkt für den DE Markt importiert wird und nach den REACH Guidelines geprüft werden soll. Lade dafür in der Angebotsanfrage am besten ein Foto hoch.

Asian Inspection

Asian Inspection2

Nachdem du dein Angebot für den Prüfbericht erhalten hast, kannst du die Liste mit den Stoffen, nach denen geprüft wird gleich an deinen Hersteller schicken, damit dieser selber versuchen kann noch VOR dem Test im Labor ggf. Änderungen am Produkt vorzunehmen.

Reach test Preis

Häufig gestellte Frage:
Was ist, wenn der Hersteller bereits einen REACH Prüfbericht für das Produkt hat?
Da du als Hersteller haftest, solltest du nicht einfach blind auf die Aussagen deines Herstellers vertrauen, sofern er dir versichert alle “Zertifikate” zu haben. Falls er dir tatsächlich einen Prüfbericht vorlegen kann, dann prüfe zuerst, ob dieses von einem akkreditierten Prüflabor ausgestellt wurde und wann er ausgestellt wurde. Sollte das Zertifikat aktuell sein und handelt es sich auch um ein CNAS akkreditiertes Labor, so wende dich am besten nochmal an das entsprechende Labor und lasse dir dort bestätigen, dass der Prüfbericht echt ist.
Sofern das alles zutrifft, solltest du dann auch noch recherchieren, ob in dem Prüfbericht auch alle erforderlichen Tests durchgeführt wurden, oder ob eventuell nur Tests aufgeführt sind, die alleine noch nicht aussagekräftig sind.
Fazit: Verlasse dich nicht auf die Angaben deines Herstellers, schließlich haftet nicht er, sondern du für die Konformität der importierten Waren. Kümmere dich um die Anfertigung aller nötigen Dokumente. Mit der Zeit wirst du dabei auch eine Routine entwickeln.

Hinweis: Dieser Leitfaden wurde nach bestem Gewissen erstellt, stellt jedoch keine verbindliche Rechtsauskunft dar. Ich übernehme keine Haftung für fehlerhafte Informationen. Für verbindliche Auskünfte solltest du einen Rechtsanwalt konsultieren.