LFGB Zertifikat Amazon FBA

Amazon FBA Leitfaden für den Import von Bedarfsgegenständen mit Lebensmittelkontakt (mit Video)

Amazon FBA Leitfaden für den Import von Bedarfsgegenständen mit Lebensmittelkontakt nach dem LFGB

Als Importeur von Bedarfsgegenständen mit Lebensmittelkontakt musst du zwingend eine Reihe von Rechtsnormen, insbesondere diejenigen aus dem -> Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch (LFGB) <-, beachten.

Doch was genau wird unter “Bedarfsgegenständen mit Lebensmittelkontakt” verstanden? Wie der Name schon sagt geht es hier um alle Produkte/Hartwaren, die dafür bestimmt sind, mit den Schleimhäuten oder Lebensmitteln in Kontakt zu kommen.

Beispiele für solche Bedarfsgegenstände nennt das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hier: -> Beispiele für Bedarfsgegenstände nach LFGB <-

Die Einhaltung dieser Rechtsvorschriften wird von den Behörden streng überwacht!
Sinn dahinter ist, dass alle Produkte, die auf dem deutschen Markt bereitgestellt, also eingeführt und zum Kauf angeboten werden, auch “sicher” sein sollen. Es soll verhindert werden, dass Produkte mit gesundheitsschädlichen Inhaltsstoffen in Umlauf gebracht werden. Verbraucher sollen schließlich darauf vertrauen können, dass ihre gekauften Produkte unbedenklich sind.

Bei Nichtbeachtung drohen dir existenzvernichtende Bußgelder. Außerdem kann es sein, dass die Behörden, die zur Marktüberwachung eingeschaltet werden, einen Rückruf anordnen – und das kann für dich ebenfalls sehr teuer werden!

Damit es gar nicht so weit kommen kann, findest du hier einen Leitfaden für den rechtskonformen Import von Bedarfsgegenständen mit Lebensmittelkontakt. Befasse dich unbedingt schon VOR dem Import mit den folgenden Schritten. Denn: Als Importeur aus einem Nicht-EU-Land haftest du gemäß Produktsicherheitsgesetz wie ein Hersteller. Das heißt, dass du dafür verantwortlich bist, dass deine Produkte den gesetzlichen Anforderungen an Produktsicherheit entsprechen.

Dein Hersteller in China hat leider meist nur im Sinn, möglichst viele Produkte zu verkaufen, die von Ihm möglichst günstig hergestellt werden können. Dass hier oft Stoffe verarbeitet werden, die in Produkten für den deutschen Markt nicht enthalten sein dürfen, wird dabei meist nicht beachtet.

1. Prüfbericht anfertigen lassen.

Schritt 1 auf dem Weg zum rechtskonformen Import von Bedarfsgegenständen mit Lebensmittelkontakt ist es, sich einen Prüfbericht anfertigen zu lassen. Dieser ist erst die Voraussetzung dafür, dass du später eine Konformitätserklärung verfassen kannst.
Ohne Prüfbericht hast du also keine Grundlage, auf die du dich im Falle einer behördlichen Überprüfung berufen kannst.

Auch kann es sein, dass der Zollinspektor bei der Einfuhr deiner Waren einen entsprechenden Bericht anfordert. Sofern dieser nicht vorhanden ist und der Inspektor Bedenken bei der Sicherheit der Waren hat, kann er die Einfuhr verweigern und du bist dann dazu gezwungen, die Produkte zurück nach China zu schicken.

Unterschätze also nicht die Bedeutung des Prüfberichts!

Doch wie geht man dafür vor? Um einen Prüfbericht anfertigen zu lassen wendest du dich an ein akkreditiertes Prüflabor deiner Wahl. Hier kannst du aus verschiedenen Unternehmen wie TÜV, Dekra, Bureau Veritas, SGS oder gleich vor Ort in China Asian Inspection* wählen.

Das ganze läuft dann folgendermaßen ab: Du forderst einen Prüfbericht für Bedarfsgegenstände mit Lebensmittelkontakt entsprechend der Anforderungen für den deutschen Markt an und schickst die Produktbeschreibung mit Fotos an das Prüflabor.

Anschließend erhältst du vom Prüflabor ein Angebot für die Prüfung. Der Preis hängt dabei von verschiedenen Faktoren ab. Entscheidend ist dabei vor allem, wie viele verschiedene Materialien dein Produkt enthält, da jedes Material (auch jede Farbe) einzeln getestet werden muss.

Welche Materialien enthalten sein dürfen und welche Grenzwerte nicht überschritten werden dürfen regelt die Bedarfsgegenständeverordnung (BedGgstV) (siehe -> Bedarfsgegenständeverordnung <- ).

Meine persönliche Empfehlung: Asian Inspection* – Hier bekommst du innerhalb von nur 24 Stunden ein Angebot für einen Labortest. Außerdem wirst du hier kostenlos beraten, welche Tests für den deutschen Markt durchgeführt werden müssen und welche Kennzeichnung erforderlich ist. Das Labor ist akkreditiert und die Tests sind meist deutlich günstiger als bei vergleichbaren Prüflaboren in Deutschland.

Deine Samples für den Test lässt du dann direkt vom Hersteller zum Labor schicken. Nach ca. fünf bis sechs Tagen erhältst du deinen Prüfbericht.

Sollte die Prüfung nicht bestanden worden sein, musst du den Hersteller zur Nachbesserung auffordern und die Prüfung erneut durchführen.

2. Konformitätserklärung erstellen

Wurde die Prüfung bestanden, dann kannst du dir im folgenden Schritt selbst deine Konformitätserklärung anfertigen.
Ein LFGB “Zertifikat” in diesem Sinne gibt es nicht – Dieser Begriff wird hier gerne fälschlicherweise für die Konformitätserklärung benutzt.

Im Falle einer Überprüfung oder bei der Verzollung deiner Waren werden regelmäßig die Konformitätserklärung und entsprechende Prüfberichte angefordert.

Was genau ist die Konformitätserklärung (engl. = “declaration of conformity”)?
In der Konformitätserklärung erklärt und unterschreibt der Hersteller oder Importeur/Einführer, dass das Produkt die Anforderungen an die einschlägigen Richtlinien und Verordnungen erfüllt. Folgende Angaben muss sie enthalten:

1. Produktidentifizierung
Marke, Produktname, Artikelnummer/EAN,
Fotos vom Produkt (am besten deckungsgleich mit Fotos vom Prüfbericht)

2. Herstelleranschrift
vollständige Anschrift, Kontaktdaten

3. Einschlägige Richtlinien
Aufzählung aller für die Produktkategorie einschlägigen Richtlinien

4. Normen (nur wenn Bewertungsverfahren nötig, z.B bei elektronischen Produkten)
Alle angewandten Normen des Bewertungsverfahrens

5. Unterschrift durch Hersteller / Importeur
Firmenstempel mit Unterschrift, Name und Position des Unterschreibenden
Ort und Datum

Wichtig: Die Konformitätserklärung wird immer von dir selber angefertigt, da du der Hersteller/Importeur bist.

3. Die richtige Produktkennzeichnung

Für Bedarfsgegenstände mit Lebensmittelkontakt ist zudem in besonderen Fällen eine entsprechende Kennzeichnung erforderlich, welche auf der Verpackung oder am Produkt selber angebracht werden muss. Beispielhaft für eine derartige Kennzeichnung sind der Hinweis “Für Lebensmittelkontakt”, ein Hinweis auf den Verwendungszweck wie “Kaffeemaschine”, “Suppenlöffel” oder eben das Glas-Gabel Symbol.

Das Symbol muss nur auf solchen Produkten angebracht werden, auf denen nicht sofort ersichtlich ist, dass dieses für Lebensmittelkontakt vorgesehen sind. Eine Bratpfanne oder Besteck sind also von der Kennzeichnungspflicht befreit, da sie offensichtlich für Lebensmittelkontakt ausgelegt sind.

Das Symbol wird in der VERORDNUNG (EG) Nr. 1935/2004 als Grafik im Anhang zur Verfügung gestellt.

EU food contact material symbol

Zum besseren Verständnis der Kennzeichnungspflicht stellt das CHEMISCHE UND VETERINÄRUNTERSUCHUNGSAMT STUTTGART hier ein übersichtliches Merkblatt zur Verfügung: -> Merkblatt Informationen zu allgemeinen Anforderungen sowie zur Kennzeichnung von Lebensmittelbedarfsgegenständen <-

Kompliziert wird es erst bei Grenzfällen: Eine einfache Plastikbox zur Aufbewahrung von Lebensmitteln könnte genauso gut nur eine Aufbewahrungsbox für andere Gegenstände sein. Hier muss deshalb entsprechend gekennzeichnet werden, sofern dieses Produkt als Behältnis für Lebensmittel angeboten wird.

Gemäß Produktsicherheitsgesetz muss außerdem die vollständige Herstelleranschrift auf dem Produkt selber, sowie auch auf der Produktverpackung angebracht werden.

4. Gebrauchsanweisung erstellen

Außerdem müssen dem Verbraucher alle Informationen in Form einer Betriebsanleitung zur Verfügung gestellt werden, die er zur sicheren Benutzung des Produktes benötigt. Ausgangspunkt hierfür ist die sog. “vorhersehbare Fehlanwendung”. Überlege dir also, welche Anweisungen du deinen Kunden geben musst, damit das Gefahrenpotential minimiert wird und eine versehentliche Fehlanwendung ausgeschlossen werden kann.

Zusammenfassung der 4 erforderlichen Schritte

1. Prüfbericht von akkreditiertem Prüflabor durchführen lassen.

2. Nach bestandener Prüfung Konformitätserklärung anhand der einschlägigen Verordnungen und Richtlinie erstellen.

3. Kennzeichnung nach LFGB und ProdSG am Produkt/Verpackung anbringen.

4. Gebrauchsanweisung ggf. erstellen und dem Produkt beilegen/ dem Verbraucher zugänglich machen

Für ein tieferes Verständnis der Verordnungen hier noch das vollständige Amtsblatt der Europäischen Union:

-> VERORDNUNG (EG) Nr. 1935/2004 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES <-

Häufig gestellte Frage:

Was ist, wenn der Hersteller bereits einen Prüfbericht/Zertifikate für das Produkt hat?

Da du als Hersteller haftest, solltest du nicht einfach blind auf die Aussagen deines Herstellers vertrauen, sofern er dir versichert alle “Zertifikate” zu haben. Falls er dir tatsächlich einen Prüfbericht vorlegen kann, dann prüfe zuerst, ob dieses von einem akkreditierten Prüflabor ausgestellt wurde und wann es ausgestellt wurde. Sollte das Zertifikat aktuell sein und handelt es sich auch um ein CNAS akkreditiertes Labor, so wende dich am besten nochmal an das entsprechende Labor und lasse dir dort bestätigen, dass der Prüfbericht echt ist.
Sofern das alles zutrifft, solltest du dann auch noch recherchieren, ob in dem Prüfbericht auch alle erforderlichen Tests durchgeführt wurden, oder ob evtl. nur Tests aufgeführt sind, die alleine noch nicht aussagekräftig sind.

Fazit: Verlasse dich nicht auf die Angaben deines Herstellers, schließlich haftet nicht er, sondern du für die Konformität der importierten Waren. Kümmere dich um die Anfertigung aller nötigen Dokumente. Mit der Zeit wirst du dabei auch eine Routine entwickeln.

Hinweis: Dieser Leitfaden wurde nach bestem Gewissen erstellt, stellt jedoch keine verbindliche Rechtsauskunft dar. Ich übernehme keine Haftung für fehlerhafte Informationen. Für verbindliche Auskünfte solltest du einen Rechtsanwalt konsultieren.